Foto: Firma August Stark

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Die wichtigsten historischen Abbaugebiete in Seiffen

Seifenwerke im Seiffener Grund

Etwa 16 Generationen von Bergleuten betrieben im Tal des „Seifenbaches“ Zinnwäschen. Dabei wurden Zinngraupen durch eine spezielle Technik, in der Bergmannssprache „Seifen“ genannt, aus zinnhaltigem Boden heraus geschwemmt. Man kann davon ausgehen, dass der größte Teil des Talgrundes im Laufe der Jahrhunderte von Eigenlehnerfamilien bewirtschaftet wurde. Sie zogen, vom Bach ausgehend, Wassergräben durch den Grund, rissen Erdmassen in die Gräben und durchwühlten diese so lange, bis leichte Pflanzenteile und Sedimente durch das Wasser fortgespült wurden und sich die schweren Zinngraupen, taubes Gestein und grober Sand am Grund absetzten. Die Ausbeute war gering. Großflächige „Raidhalden“ mit taubem Gestein blieben am Uferrand liegen. Solche kann man im unbesiedelten Teil des „Seifengrunds“ heute noch erkennen. Sie sind als Bodendenkmal geschützt. 

Eine erstmalige urkundliche Erwähnung solcher „czynsifen“, die unserem Ort den Namen gaben, erfolgte im Lehnsvertrag von 1324. Eine alte Akte aus dem Jahre 1723 berichtet von 21 Grubenfeldern mit einer Länge zwischen 96 bis 18 Lachtern (1 Lachter = etwa zwei Meter) und 18 bis 30 Lachtern Breite) im Tal des benachbarten Wildsbaches. Die letzte Zinnseife wurde in Seiffen zu Anfang des 19. Jahrhunderts betrieben, mit geringem Erfolg. Im Waldgebiet des Seiffener Grunds kann man noch einige Raithalden sehen. Das sind Halden, wo man Früher das „taube Gestein“ ablagerte. 

Die Bingen „Geyerin“ und „Neuglück“

Im 16. Jahrhundert begannen die Seiffener Bergleute, neben dem Zinnseifen, einen steinbruchartigen Grubenbetrieb. Mittelpunkt des Abbaus ist eine stockförmige Lagerstätte auf neun Hektar Fläche. Die beiden Pingen „Neuglück“ (1570) und „Geyerin“ (1593) entstanden. Sie sind bis zu 30 Meter tief. 

Der Zinngehalt beträgt im Zwitterstock 1,4 Prozent, im Erzgang 2,9 Prozent. Nebengesteine neben Zinn sind Arsenkies, Mangan, Roteisenerz, Fluorit und Kupfererze. 32

 Die Pinge „Neuglück“ ist, wie die dicht benachbarte Pinge „Geyerin“, die Hinterlassenschaft eines mehrhundertjährigen Bergbaus. Er wurde anfangs als Untertagebau, später als steinbruchartiger Strossenbau betrieben. 

Die Pinge „Neuglück“ steht mit der weiter höher gelegenen Pinge „Geyerin“ in Verbindung: Die trennende, etwa 30 Meter mächtige Gesteinswand ist durchtunnelt. Durch den Tunnel gelangten die Erze aus der „Geyerin“ in die „Neuglücker Pinge“ und wurden über eine die Pinge in 22 Meter Höhe überquerende Förderbrücke zum Pochwerk am Pingenrand gebracht. 

Die Tunnelöffnung ist noch heute an der Südwand der Pinge zu sehen. Etwa sechs Meter höher wurde 1985 von der Seiffener Bergbauforschungsgruppe des Kulturbundes der Zugang zu einer alten Strecke entdeckt, die bestätigt, dass sich an der Stelle der heutigen Pinge mehrere kleine Gruben befanden. Der tiefste dieser Schächte war der um 1535 abgeteufte „Alte – Estel-Kunstschacht“, der ganz dicht hinter der nordöstlichen Pingenwand niedergeht. 

Die wertlosen tauben Gesteinsmassen, die bei der bergbaulichen Gewinnung der Erze unvermeidbar mit anfielen, wurden hier an Ort und Stelle aufgehaldet. Auf diese Weise entstand auch die Bingenhalde, die von Seiffener Einwohnern von jeher „Bingeblick“ genannt wird. Von ihrer höchsten Stelle aus bietet sich zu jeder Jahreszeit ein phantastischer Blick in das Tal.

Grube „Katharina“  

Hier wurde von 1686-1836 Zinnstein gefördert. In den 1960er Jahren  hat die Bergbaugesellschaft „Wismut AG“ Untersuchungen vorgenommen, inwieweit hier noch lohnende Zinnvorkommen lagern. Man stieß jedoch auf keine nennenswerten Mengen.

Grube „Reiche-Hoffnung-Morgengang“ 

Aus dem Zwittergestein der Grube wurden neben Zinn- auch Kupfererze gewonnen. Der Aufschluss erfolgte sowohl vom „Dreifaltigkeits-Stolln“ aus, der ihn 74 Metern Tiefe kreuzt, als auch vom „Johannes-Stolln“ aus, in 28 Metern unter der Tagesoberfläche. 

Die wichtigsten historischen Abbaugebiete in Heidelberg

Im Südosten der Pinge „Geyerin“ liegt ein Gebiet, das schon in früherer Zeit landwirtschaftlich genutzt wurde, wo sich aber auch zahlreiche Berghalden wie große Maulwurfshügel aufwarfen.

Sie waren Spuren der 10 unterirdisch liegenden Gänge, die mit einer Streichlänge von bis zu 500 Metern, von West nach Ost ausgerichtet, das große Feld einigermaßen parallel und im Abstand zwischen 50 und 200 Metern unterfuhren. 

Nachdem der Bergbau etwa um das Jahr 1800 eingestellt wurde, verschwanden die meisten Hügel nach und nach, denn sie störten die Bauern bei ihrer Arbeit.    

Die Grube „Altväter“

In dieser Grube wurde zunächst von 1678-1714 erfolgreich Zinnstein gefördert. Wie an anderen Standorten auch, brachte der Vortrieb in größeren Tiefen Probleme mit hereinbrechendem Wasser und schlechten Wettern (Gase). Eine alte Quelle berichtet, dass die Bergleute das Wasser mit Hilfe einer Schwengelpumpe herauspumpten. Das Wasser lief aber ständig nach. Und schließlich musste der Betrieb eingestellt werden. 

60 Jahre später untersuchten Seiffener Berggeschworene den alten Stolln und fanden “hübsche Gangarten“. In der Hoffnung auf größere Erträge fuhren darauf Bergleute, die sich zu einer Gewerkschaft zusammengeschlossen hatten, den Stolln wieder auf. Sie standen jedoch vor einer gewaltigen Aufgabe. Die etwa 35 Meter tief liegenden Gänge waren inzwischen „gänzlich verdrückt“. Und eine dauerhafte Entwässerung wurde nur möglich, wenn die Stolln Richtung Osten wieder befahrbar gemacht und ein Durchbruch zum „Johannes-Stolln“, dem ältesten  Entwässerungsstolln in Seiffen, geschafft wurde. Im Sommer 1774 gelang dies. Darauf konnte die Gewerkschaft in den Folgejahren einige Zentner Zinn ausschmelzen. Sie blieb jedoch ständig abhängig von fremden Geldgebern, die Löhne und nötige Mittel für den Gangausbau, Werkzeuge u. a. vorfinanzierten. Ein Stolln dieser Grube zieht sich von diesem Standort aus bis zum Grundstück Hauptstraße 137. Dort befand sich auch das Mundloch.    

Die Grube „Edler zu Schönberg“

Diese Grube trug den Namen des hiesigen Grundherrn. Als die Familie von Schönberg im Jahre 1389 mit der Herrschaft belehnt wurden, war im Tal des Seifenbaches schon ein reger Bergbau im Gange. Bergleute seiften Zinngraupen aus dem Lauf des Baches. Caspar II. von Schönberg ließ sich 1480 vom sächsischen Kurfürsten das Regal (Recht) auf den Bergbau im festen Gestein bestätigen. 1600 gründete die Familie das Seiffener Vasallenbergamt. Fast zweihundert Jahre lang stellen die von Schönbergs, beginnend mit Wolf (1518-1584), die Oberberghauptleute des Erzgebirges in Freiberg. Abraham (1640-1711) gilt als der bedeutendste unter diesen Oberberghauptleuten. 1693 erschien seine „Berginformation“. Adam Rudolf von Schönberg (1712-1795), ließ die Burg „Purschenstein“ in Neuhausen zu einem barocken Schloss umbauen. Er unterstützte den Bau der barocken Bergkirche in Seiffen und die Erweiterung der Kuranlagen im Bad Einsiedel.    

Der „Himmelschlüsselstolln“ und andere 

Der „Himmelschlüsselstolln“ erstreckt sich von dem hier, an der Biegung der Alten Dorfstraße (zwischen den Nummern 7 und 8). liegenden Mundloch in etwa einer Länge von 800 bis 900 Metern in Richtung Osten. Nach etwa 800 Metern des Hauptstollns trieb man um das Jahr 1780 einen rund 24 Meter langen Seitengang. Ziel war es, in die Gruben des Kieszechengebietes einzuschlagen, um diese zu entwässern. In den Kieszechen hatte man etwa 40 Jahre zuvor, des einbrechenden Grundwassers wegen, die Arbeiten einstellen müssen, obwohl die Erträge sehr gut gewesen waren. Das Vorhaben gelang. Der Bergbau konnte wiederbelebt  und einige Jahre betrieben werden.

Von 1718 bis 1809 wurde im „Himmelschlüsselstolln“ Zinnstein gefördert. 

Noch viel länger wurde das über den „Himmelschlüsselstolln“ herausgeleitete Kieszechenwasser als Trink– und Brauchwasser genutzt. 

Bergbau in der „Mansche“ und im Kieszechengrund

In den Kieszechen-Gruben  wurde von 1678 bis 1749 Zinnerz gefördert. Um 1770 versuchte man einen Neubeginn, jedoch erfolglos. Vermutlich waren die Vorkommen erschöpft.

Erzgänge hatten hier oft nur eine Mächtigkeit zwischen 0,2 und 0,4 Metern, oft auch darunter. Ihre Füllung bestand aus Quarz und Flussspat als wichtigste Gangarten,  dazu Zinnstein, Arsenkies, Kupferkies und andere Kupfermineralien. Die Menge der bauwürdigen Erze war in keinem der Gänge bedeutend. Aus dem Hauwerk (ausgebrachtes Gestein) ließen sich nur zwischen 0,3 und 0,5 %* Zinn ausbringen. In älteren Nachrichten wird oft die Hoffnung ausgesprochen, dass die Gänge mit zunehmender Tiefe besser würden. In neueren Nachrichten wird berichtet, dass der Zinngehalt eher abnimmt, je tiefer man vordringt. Dafür stiegen hier die Betriebskosten, die ein selbstständiger Eigenlehner nicht aufbringen konnte. Kurzfristig half Fremdkapital (Zubuße) zum Überleben. Danach blieb nur die Schließung der Grube. Im Seiffener Bergbaurevier schlossen sich die selbstständigen Eigenlehner erst spät zu Genossenschaften zusammen.

In der Zeche „Weintraubel“ wurde in den Jahren 1678-1809 Zinnstein gefördert. In einer Quelle aus dem Jahre 1785 berichtet der ehemalige Eigenlöhner, dass die Zwitter sehr reichhaltig gewesen wären, so dass er in vier Jahren an die 26 Zentner Zinn abgeschmolzen hat. Da aber immer wieder Wasser eingebrochen ist, das er mit seinen Mitteln nicht ableiten konnte, musste er seine Grube während der Teuerung (1771/ 1772) stilllegen.

So lange die Grubenbetreiber die Stolln in geringe Tiefe trieben, man spricht von neun Lachtern (18 Metern) Tiefe, konnten sie das eindringende Oberflächenwasser noch ableiten. Wenn sie jedoch dem Erzgang in die Tiefe folgten, brach Grundwasser ein, das ihnen die Arbeit unter Tage schließlich unmöglich machte. 

Dennoch waren Bergleute in den Jahren 1678 bis etwa 1752 erfolgreich. In den Jahren 1725-1730 wurden rund 1208 Zentner Zinn erschmolzen. In der Hoffnung, an diesen Erfolg anzuknüpfen, wurde für eine Entwässerung des Gebietes gesorgt. Beim Vortrieb ins noch nicht erkundete Gebirge stieß man zwar auf Quarzstein, der oft zusammen mit dem begehrten Zinnstein auftritt, größere Mengen an Zinn fand man jedoch nicht mehr. Der reichlich herausgebrachte Quarz wird immerhin in der nahen Glashütte seine Verwendung gefunden haben. (ctb)