Scherenschleifer, Kesselflicker und Sägenschärfer

Der Messer- und Scherenschleifer ist ein alter Wanderberuf, der hauptsächlich von Jenischen, Sinti und Roma ausgeübt wurde. Mit seinem Wetzstein zog der Scherenschleifer übers Land und durch die Städte, wo er Scheren, Messer, Dolche usw. der Privathaushalte neu anschärfte.

Der Beruf ging ursprünglich aus dem Handwerk es Waffenschmieds hervor. Dolche und Schwerter mussten während der Herstellung mehrmals geschliffen werden. Das übernahmen oft darauf spezialisierte Gehilfen des Waffenschmieds. Als neben Waffen auch von verschiedenen Handwerken gute Scheren und Messer benötigt wurden und zudem in Privathaushalten gefragt waren, entstand der Bedarf, die stumpf gewordenen Schneidwerkzeuge wieder zu schärfen.

Schließlich boten die Schleifer ihre Dienste als wandernde Handwerker an. Dabei nutzten sie meist ein transportables Schleifgestell mit dem Schleifrad, das sie auf dem Rücken mit sich trugen. Teils benutzten sie aber auch die in Ansiedlungen und abgelegenen Höfen vorhandenen Schleifräder.

Das Prinzip des Schleifens ist immer gleich: Die Schneide des Messers oder der Schere wird über eine noch härtere Fläche der Länge nach bewegt. Während der Stein mit der linken Hand gekurbelt wird, führt die rechte Hand das Schärfgut. Einfacher geht das mit einem Gehilfen, der die Kurbel dreht. Auch bei fußgetriebenen Kurbeln hat der Handwerker beide Hände frei.

Um Schäden an der Klinge zu vermeiden, muss die entstehende Hitze abgeführt werden. Dazu kann das Schleifgut in einen mit Wasser gefüllten Topf gehalten werden. Verbreitet und bei größeren Mengen auch angebracht war die Nutzung des abgebildeten offenen Wasserkastens, in den der runde Stein von oben halb hineinragte. Ab Ende des 17. Jahrhunderts wurde das transportable Schleifgestell durch den fahrbaren Schleifkarren abgelöst.

Gelegentlich hatte der Scherenschleifer, um Publikum anzuziehen, ein dressiertes Äffchen dabei. Daher stammt die Radfahrer-Redensart: „Er sitzt da wie ein Affe auf dem Schleifstein!“

In der zweiten Hälfte des 20. Jhd. ging die Nachfrage an dieser Dienstleistung stark zurück und kam nahezu zum Erliegen. Der Bedarf verringerte sich infolge des Rückgangs der bisher verbreitet gewesenen landwirtschaftlichen Tätigkeit. Der Hauptgrund für die mangelnde Nachfrage lag jedoch im Preisverfall durch die aufgekommene Massenproduktion bei Schneidwaren.

Kesselflicker waren Kupferschmiede, die mit Werkzeug und Kupferblech in die Ortschaften gingen, dort schadhafte Töpfe und Pfannen einsammelten, um sie zu reparieren. Sie löteten Löcher wieder zu, dickten Kesselböden wieder auf oder verzinnten die Kessel neu. Zum Ärger der zünftigen Handwerker gingen die Kesselflicker auch in die Städte und riefen dort ihre Arbeit aus. Da die ortsansässigen Kupferschmiede Reparaturen nicht gern annahmen, fanden die „Pfuscher“, wie man die Wandersleute auch nannte, ihre Kunden.(ctb)