Schmiede und Stellmacher

Dorf– und Bergschmieden in Seiffen

Einen der ältesten Handwerksberufe der Menschen übt der Schmied aus, der in seiner Werkstatt, meist heiße Metalle frei formt. Hammer, Amboss und Schmiedefeuer sind seine wichtigsten Produktionsmittel. Das Erzgebirge bot für diesen Broterwerb besonders gute Voraussetzungen. Zum einen baute man in vielen Gruben die Erze ab und verhüttete sie vor Ort, zum anderen brauchten die Bergleute für ihre Arbeit geschmiedete Hämmer und täglich geschärfte Bergeisen.

Größerer Schmiedeteile bearbeitete man in den großen „Hämmern“, von denen heute noch die Anlagen: Althammer Grünthal (1537-1914), Dorfchemnitz bei Mulda (1567-1931), Fohnauer Hammer (1621-1904) und der Freibergsdorfer Hammer (1607-1974) zu besichtigen sind. Auch in Deutschneudorf-Brüderwiese stand seit 1666 ein Hammer, der jedoch bereits um 1800 nicht mehr existierte. Jedoch das schöne Hammerherrenhaus von 1713 erinnert heute noch daran.

Selbst auf den Dörfern war das Schmiedhandwerk über Jahrhunderte ständig gegenwärtig. Eine der ältesten Schmieden Seiffens, sie wurde bereits vor dem Jahr 1545 erwähnt, befand sich in unmittelbarer Nähe zur „Binge“, also des damaligen Bergbaus.

Die Schmiede fertigten vornehmlich die Gezähe, also Schlägel und Eisen, für die Bergleute. Die Bergeisen, ca. 15 cm lange meißelartige oder spitze Eisenquader, mussten täglich vom Schmied neu geschärft werden. In dieser ehemaligen Schmiede befindet sich heute die Pension „Sonne“ oberhalb der Fachschule. In ähnlicher Lage befand sich eine 1664 erbaute Bergschmiede. Das in seiner äußeren Gestalt bis heute erhaltene Gebäude befindet sich am Bergmannsweg und ist eine markierte Station auf dem „Historischen Bergbausteig“.

Anfangs befanden sich die Schmieden in kleinen, so genannten Schmiedehäusel. Das vielleicht letzte dieser Art wurde in Seiffen um 1650 abgebrochen. Im Kaufbuch wird erwähnt, dass Johann Gottlieb Froß, das von Christoph Kaden erbaute Schmiedehäusl abbrechen ließ. Auf dem Grundstück stand noch ein altes Wohngebäude (OLNr. 47, heute Haupstraße 103). Selbiges wurde am 28.Oktober 1658, samt dem dazu gehörigen 1/4 Hufengut, an Georg Hetze verkauft. Von 1677 bis 1693 gehörte es der Drechslerfamilie Johann Froß, danach für sieben Jahre dem Steiger Christoph Kaden, um dann wieder in die Hand eines Schmiedes zu kommen. Von 1735 bis etwa 1820 war eine Schlossereiwerkstatt eingerichtet.

Am Kreuzweg, im Haus mit der alten Ortslistennummer 45, heute Deutschneudorfer Straße1, war von vor 1545 bis 1826 eine Huf- und Bergschmiede tätig. Am Anfang des 20. Jahrhundert war der Frisör Albin Neuber im Gebäude tätig. Heute befindet sich hier die Gaststätte „Bergschmiede“.

Bergschmiede unterstanden der Berggerichtsbarkeit und waren verpflichtet, die Gerätschaften der Bergbaubetriebe in Ordnung zu halten. Sie genossen diverse Steuerbefreiungen und als besonderes Privileg besaßen sie eine Schankgenehmigung. Sie durften an Berg- und Fuhrleuten Bier und Branntwein als „Labetrunk“ ausschenken.

Als Schmied waren hier tätig:
 
vor 1562 Valten Donat
1562 – 1579 Jacob Ebert
1579 – 1583 Peter Richter (Steffen)
1583 – 1587 Merten Lose
1587 – 1588 Andreas Werner
1588 – 1611 Georg Viehweger
1611 – 1636 Michel Wenzel
1636 – 1649 Nicol Wolf
1649 – 1677 Caspar Wolf
1677 – … Georg Wolf
… – 1689 Caspar Langer
1689 – 1732 Hans Preißler
1732 – 1756 Christian Langer
1756 – … Aron Preißler I.
… – 1807 Aron Preißler II.
1807 – 1824 Christian Friedr. Preißler
1824 – 1826 Gottlieb Friedr. Preißler

In der heutigen Pension „Zum alten Bergmannshaus“ war von 1796 bis 1870 eine Huf- und Waffenschmiede im Umgang. Das geprägte Petschaft (Durchmesser 25 mm) des hier tätigen Schmiedes Gotthelf Friedrich Hetze aus der Zeit um 1830 existiert noch und zeigt uns – wie ein Katalog – sein Produktionsprofil.

In der Mitte, eingerahmt befinden sich die Anfangsbuchstaben des Schmieds „G F H“. Darüber groß und gut erkennbar das Hufeisen, denn das Beschlagen der Pferde war sicher eine seiner wichtigsten Aufgabe. In der Ansicht rechts des Hufeisens ist eine Zange zu erkennen, die sowohl ein wichtiges Werkzeug des Schmieds, als auch ein Produkt des Schmieds war. Unter zeigt das Petschaft einen Hammer gekreuzt wohl mit einem Bergeisen. Links erkennt man eine Schaufel und außen einen Löffel. Außerdem zieren Pflanzen die Zwischenräume. Vielleicht soll es Eisenkraut darstellen, von dem man annahm, dass es Wunden, die mit Eisen herbei geführt wurden, schneller heilt und man gab Eisenkraut auch der Eisenschmelze zu.

Zu Heidelberg gehörte die 1848 erbaute Schmiede mit Restauration auf der Oberseiffenbacher Straße 3. Seit 1936 wurde sie von Fritz Hesse und später von seinem Sohn Tilo betrieben. Tilo Hesse berichtete im Jahre 1988 einem Journalisten der „Freien Presse“, dass sich in den letzten Jahren manches geändert hat. Früher waren hauptsächlich Pferde zu beschlagen und landwirtschaftliche Maschinen zu reparieren. Nun sind es Dienstleistungen für die Bevölkerung, z.B. Gartenzäune. Seit 1984 stellt Tilo Hesse die begehrten Zunftzeichen her. 30 Stück zieren inzwischen die Häuser von Handwerkern, Gaststätten und Verkaufseinrichtungen der Umgebung. „Die Arbeit mit den Zunftszeichen macht mir einfach Spaß, ich kann hierbei meine Ideen und Vorstellungen verwirklichen.“, sagte der Handwerker und zeigte dem Journalisten stolz seine Neuheit: zwei Zunftzeichen die plastisch wirkungsvoller waren, als die herkömmlichen. Für 1988 lagen bereits acht Aufträge vor.

Die Gastwirtschaft bot einfache Gerichte und gutes Bier. 1979 wurde sie geschlossen, der Schmiedebetrieb 1994, nach dem leider frühen Tod Tilo Hesses.

Bereits 1928 betrieb Paul Lorenz eine Schmiede an der Bahnhofstraße. Sein Sohn Philipp begann hier den Fahrzeugbau. Der Traktor „Die Philos“ aus dem Jahre 1949 – Phillip Lorenz Seiffen – war ein derartiger Erfolg, dass er in Olbernhau ein großes Gebäude für dessen Produktion erbauen ließ.

Insgesamt waren seit 1545 in Seiffen acht, in Heidelberg, Nieder- und Oberseiffenbach je drei Schmieden in Umgang. Heute sind in Seiffen die Schmiede Jürgen Enzmann und Matthias Ullmann tätig. (A.K.)