Wie ein Pferd beschlagen wird

Das Hufhorn wächst, wie beim Menschen die Nägel, ständig nach. Die Wachstumsrate unterscheidet sich von Pferd zu Pferd, je nach Fütterung und mit den Jahreszeiten. Je nachdem auf welcher Art von Boden und wie intensiv ein Pferd sich bewegt, nutzt sich das Hufhorn unterschiedlich stark ab. Im Idealfall würde es in dem Tempo nachwachsen, wie es abgenutzt wird – aber das kommt selten vor. Ist der Abrieb stärker als das Hornwachstum, ist ein Hufschutz notwendig. Ist aber das Hornwachstum stärker als der Abrieb, wird der Huf zu lang. Das ist vor Allem bei Pferden mit Fehlstellungen ungünstig, da diese sich die Hufe oft einseitig ablaufen. 

Damit ein Pferd langfristig gesund bleiben kann, müssen Zehenrichtung und Zehenstellung des Hufes möglichst korrekt sein. Die Kraft sollte immer senkrecht durch die Gelenke durchgehen. Denn eine senkrecht stehende Stütze kann mehr Last aufnehmen als eine schräg stehende. Eine gleichmäßige Belastung des gesamten Hufes beim Auftreten ist wichtig, damit es zu keiner ungleichen Belastung für den Huf, Sehnen, Knochen und Gelenke kommt. Fehlbelastungen bedeuten mit der Zeit nicht nur Probleme mit dem Huf selbst, sondern erstrecken sich dann über den ganzen Körper. Die Pferde neigen zu Verspannungen und zu frühzeitigem Verschleiß. Diese bringen wiederum eine Vielzahl an Störungen im Bewegungsapparat mit sich, die zu Stürzen führen können. Dazu zählen Stolpern, verkürzte Tritte, nicht unter den Schwerpunkt treten, Schwierigkeiten in Wendungen u. a. 

In der Natur würde sich das Pferd so lange mit diesen schiefen, ungünstig belasteten Hufen bewegen. Wird das Pferd durch den Menschen in verstärktem Maße eingesetzt, nutzt sich der Huf stets schneller ab, als er nachwachsen kann. Solche Pferde brauchen einen Hufbeschlag. Je nach Geschwindigkeit des Hornwachstums und Beanspruchung, benötigt ein Pferd alle sechs bis zehn Wochen neue Hufeisen. Bei orthopädischen Problemen sind zur Korrektur besondere Eisen von Nöten und die Zeitabstände zum Wechseln geringer.

Ein guter Hufschmied beschlägt daher ein Pferd nicht nur mit neuen Eisen, sondern er macht sich mit dem Körperbau und dem Zustand der Hufen seines Patienten genau vertraut. Er beobachtet die Stellung und Bewegung der Schenkel, die Form und Beschaffenheit des Fußes und Hufes sowie die Form, Länge, Lage, Lochverteilung und Abnutzung des Eisens. So kann er den neuen Beschlag an die wahrgenommenen Merkmale anpassen. Wie ein Dorfschuhmacher früher für jeden seiner Kunden Leisten aufbewahrte und damit auch ihre besonderen Merkmale festhielt, bewahrte ein Dorfschmied sicher auch die Daten seiner vierbeinigen Kunden auf. Und er merkte, wenn sich der Zustand eines Pferdes veränderte, zum Beispiel wenn die abgenommenen Eisen ungewöhnlich starke Abnutzungen zeigten. Diese konnten auf eine Veränderung im Körperbau oder dem Gangbild hinweisen. Mit speziell angepassten Eisen kann ein Hufschmied auf die Korrektur solcher Veränderungen hinwirken. Er ist in diesem Sinne auch Orthopäde.

Für den Pferdebesitzer gilt es, sein Tier in regelmäßigen Abständen in die Schmiede zu bringen, selbst, wenn die Eisen noch fest sitzen, sich nicht gelöst haben. Denn je länger nicht umbeschlagen ist, umso mehr muss sich das Pferd an naturbedingten ungleichen Hufwachstum oder ungleichen Abrieb gewöhnen und umso größer ist die Umstellung.

Sollte sich ein Hufeisen vor dem festen Schmiedetermin lockern und gar am Huf verschieben, muss es schnellstmöglich runter vom Huf. Denn viele Pferde macht ein loses Eisen nervös. Und es kann passieren, dass sich das Eisen dreht, das Pferd auf die Kappe tritt und diese sich in die Hufsohle bohrt. Auch Teile der Hufwand können ausbrechen. Deshalb ist es von Vorteil, wenn auch der Halter des Pferdes die nötigen Handgriffe kennt, um ein solches Eisen zu entfernen. Tierärzte raten, den eisenlosen Huf anschließend in Verbandsmaterial zu packen, um so den Höhenunterschied zu den anderen Hufen auszugleichen, bis man einen Schmied erreicht hat.

Stark verschmutzte Eisen wird der Hufschmied zuerst mit einer Wurzelbürste reinigen. Danach werden die vernieteten Nagelenden vorsichtig mittels Hauklinge aufgeklopft bzw. ganz abgeschlagen. Nach dem Aufnieten gibt es zwei Möglichkeiten, das Eisen abzunehmen: Die Nägel einzeln zu entfernen, ist die einfachere Variante. Die Nägel müssen allerdings noch gut sichtbar und mit der Zange greifbar sein. Dafür mit der Eisenabnehmzange abwechselnd das linke und rechte Schenkelende des Eisens fest umgreifen und so das Hufeisen in Richtung Zehe lockern. Damit die Nägel besser zum Vorschein kommen, ist es hilfreich, das Eisen nach dem Anhebeln mit der Zange oder mit einem Hammer wieder etwas zurückzuklopfen. Wenn der Nagelkopf hoch genug herausgearbeitet wurde, kann er mit der Nagelziehzange gegriffen werden. Beim einzelnen Herausziehen der Nägel wird mit den Nägeln am Schenkelende des Eisens begonnen. Sind alle Nägel draußen, kann das Eisen mit der Abnehmzange entfernen werden. 

Sind die Nagelköpfe bei einem älteren Beschlag zu stark abgelaufen und können nicht mehr gegriffen werden, muss das Eisen inklusive der Nägel abgehebelt werden. Dafür wird das Schenkelende des Eisens mit der Eisenabnehmzange umgriffen und in Richtung Zehe, abwechselnd am linken und rechten Schenkel, gelockert. Die Zange bewegt sich dabei hebelartig in Richtung Eisenschenkel, nicht zum Huf hin, um Schäden an der Hufwand zu vermeiden. Um Zerrungen oder Drehungen des Hufes zu vermeiden, stützt der Schmied den Huf mit seinem linken Oberschenkel. Ist das Eisen genug gelockert, kann es schließlich zusammen mit den Nägeln abgriffen werden.

Nach dem Abnehmen der Eisen reinigt der Schmied die Sohle, untersucht die Hufe auf auffällige Verletzungen oder Erkrankungen und beurteilt den Zustand der alten Eisen. Nach dem Betrachten der Fessel– und Zehenachseentscheidet er, wo und wieviel er von dem nachgewachsenen Horn entfernt. An dieser Stelle ist es ihm möglich, auf schädliche Veränderungen zu reagieren und dem Tier Erleichterung zu verschaffen. Mit einem Rinnmesser beschneidet er dann das weichere Horn und die harten Hornteile entfernt er mit Hauklinge und Holzschlegel. 

Mittels einer Raspel wird der Huf geglättet. Auch eventuelle Fehlstellungen des Hufes können durch Abraspeln des Horns ausgeglichen werden.

Das Hufeisen wird der Unterseite des Hufes aufgelegt und mittels Hammer auf dem Amboss zugerichtet, um es dem Huf in Breite und Form exakt anzupassen. Nach dem Formen wird das glühende Eisen auf den Huf aufgepasst. Das sogenannte Aufbrennen beseitigt noch vorhandene kleinste Unebenheiten am Tragerand. Außerdem bilden sich dort, wo die Nagellöcher auf dem Huf aufliegen, kleine Abdrücke. An diesen prüft der Schmied den späteren Sitz der Nägel. Am Abdruck des Hufs auf der Tragefläche des Eisens sieht man, ob das Eisen zu eng oder zu weit liegt.  Dem Pferd entstehen durch das Aufbrennen keine Schmerzen. Das Brenngeräusch und der aufsteigende Qualm können jedoch zu Abwehrreaktionen führen. Deshalb ist das Tier gut festzuhalten.

Wurde das Eisen nachgerichtet und nach erneutem Überprüfen der Passgenauigkeit am Huf abgekühlt, kann es aufgenagelt werden. Zuvor bringt man mit der Kante der Hufraspel eine kleine Rille in den Huf eingebracht, in der später der Nagelstumpf nach unten versenkt werden kann. Beim Annageln des Eisens schlägt der Schmied die Hufnägel mit einem Beschlaghammer durch den Tragrand des Hufes durch, so dass die Nagelspitze etwa 2–3 cm oberhalb des Randes aus der Hufwand austritt. Anschließend werden die Nägel an der äußeren Hufwand aufgenietet, zum Schluss wird über alle Nägel gefeilt, um alle hervorstehenden scharfen Kanten und Ecken zu beseitigen. (ctb)