Foto: Firma August Stark

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Bergbauliche Zeittafel für Seiffen, Deutschneudorf und Böhmisch Katharinaberg

1163
Im Jahre 1163 wurden in Freiberg reiche Silbervorkommen entdeckt. Darauf begann ein regelrechter Wettlauf zwischen Meißen und Böhmen um die Besiedlung des Erzgebirges.

1200
Um das Jahr 1200 erkunden Mönche aus dem Kloster Ossegg den späteren Seiffener Winkel. Sie beginnen mit der Rodung des Waldes, produzierten in kleinen Glashütten Gebrauchsgläser und legten für ihre Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln landwirtschaftlich nutzbare Flächen an. Neben Quarz für die Glasherstellung fanden sie auch metallische Erze, zwar nicht das erhoffte Silber, aber Zinn, Kupfer u.a. waren gleichfalls begehrt.

1324
Seiffen wird erstmalig urkundlich erwähnt, als „cynsifen“. Im Tal des Seifenbaches werden bis zur Mitte des 18. Jahrhundert Zinnseifen (Zinnwaschanlagen) betrieben.

Während die Region um Seiffen zu der Zeit im Besitz des böhmischen Adelsgeschlecht der Hrabišice ist, kommt das 10 Kilometer entfernt liegende Katharinaberg zur Herrschaft der Familie von Kolditz, die damals auch Burgherren der Stadt Graupen und Förderer des böhmischen Bergbaus war. Bereits kurz nach 1300 soll im Grund der späteren Stadt Sankt Katharinaberg der erste Stolln, mit dem Namen „Himmelfahrter Gang“, aufgefahren worden sein.

1429
Wurden die Bergbauanlagen in Katharinaberg durch die Hussiten völlig zerstört. Bis zu ihrem Wiederaufbau vergingen etwa 60 Jahre.

1480
Dem Grundherrn, Caspar von Schönberg wird das Bergregal (Bergrecht) auch auf dem Bergbau im festen Gestein zugesprochen, verbunden mit dem Recht, auf seinem Grund Bergwerke zu verleihen. Im Ortsteil Grund Böhmisch-Katharinabergs wird ein ertragreiches Kupferbergwerk betrieben. Der Hauptstolln wird später als der „Nicolaistolln“ bekannt.

1500
Böhmisch-Katharinaberg erhält ein Bergamt.

1517
Um das Jahr 1517 wurde in Katharinaberg das erste Silber gefunden. Die Kunde vom großen „Berggeschrey“ zog viele Bergleute aus anderen Revieren an.

Ab 1539 floss ausländisches Kapital in den Bergbau des Städtchens. Es wurden Kupfer, Silber, Eisen, Blei, Arsen, Zinn und Zink abgebaut.

1545
wird das erste Pochwerk in Seiffen erwähnt, 1560 sind es acht Pochwerke, später bis zu 33.
Im 16. Jahrhundert hat ein steinbruchartiger Grubenbetrieb begonnen. Mittelpunkt des Abbaus ist eine stockförmige Lagerstätte auf neun Hektar Fläche.

1550
Ansatz des „Johannesstollns“, zur Entwässerung des Pingengebietes und für den Transport.

1570
Die beiden Pingen „Neuglück“ (1570) und „Geyerin“ (1593) entstehen. Sie sind bis zu 30 Meter tief. Zinngehalt im Zwitterstock 1,4 Prozent, im Erzgang 2,9 Prozent. Nebengesteine neben Zinn sind Arsenkies, Mangan, Roteisenerz, Fluorit und Kupfererze.

1588
Holzordnung für das Purschensteiner Revier, Holz für Grubenbau und Schmelzhütte sowie Nebenerwerb der Bergleute (Schüsseln, Schaufeln und Haushaltsgegenstände) erwähnt.

1600
Bildung eines Vasallenbergamtes (das Kleinste in Sachsen) als Sitz eines „herrschaftlich Schönbergischen Bergmeisters“. Der Amtssitz befand sich in der hiesigen Schmelzhütte. Die selbstständigen Bergleute („Eigenlöhner“ genannt) mussten alles Zinn in dieser Hütte abliefern. Hier wurde der Ertrag berechnet und der Schmelzzins einbehalten. Bau des „Heidegrabens“ zur Versorgung der Pochwerke und der Schmelzhütte mit Brauchwasser.

1620
Der tüchtige Faktor der Grünthaler Saigerhütte August Rohdt war bemüht, die Kapazität der kurfürstlichen Hütte besser auszulasten und begab sich an der Grenze zu Böhmen auf die Suche nach weiteren Erzlagerstätten. 1620 wurde er u. a. mit der Fortuna Fundgrube beliehen. Die Kupfer- und Silbergrube wurde bis zum Jahre 1880 betrieben.

1628
Im Dreißigjährigen Kriege entwickelte sich der Katharinaberger Bergbau abwärts. Die Verfolgung der Protestanten und grundherrlichen Schikanen waren so nachhaltig, dass ab 1628 die tüchtigsten Arbeitskräfte abwanderten, unter anderem nach Seiffen.

1637
erwarb August Rohde „beim böhmischen Neudorf und an der Schweinitz gelegen“ ein Stück Land, um darauf einen Hochofen und eine Hammerschmiede zu errichten.

1688
Die Seiffener Bergknappschaft stiftet der Kirche ein Kruzifix.

1703
unterschrieben 34 Seiffener Bergleute eine neue Knappschaftsordnung.
1705 bis 1755 Blüte des Seiffener und Heidelberger Bergbaus, 90% der gesamten Ausbeute.

1708
Stauung des „Heidegrabens“ und Anlegung des „Zechenteiches“, 1927-1990 Freibad

1725
wurden in Seiffen 400 Zentner Zinn geschmolzen, 1729 300 Zentner und 1730 508 Zentner.

1750
Ab etwa 1750 kam es in Seiffen zu einem drastischen Rückgang der Erträge.

1760
Auf böhmischer Seite wurden die Erze ab 1760 immer ärmer. Wie in Seiffen bereiteten die unterirdischen Wasser beim Abbau die größten Schwierigkeiten. Kriege verhinderten hier und da wirtschaftliche Investitionen.

1780
Die Vergewerkung des Bergbaus setzt ein. Mehrere Eigenlehner schlossen sich zusammen und fuhren, mit Hilfefremder Geldgeber, die zum Teil schon geschlossenen Altbergwerke wieder auf. Zum Beispiel versuchten sie, durch die Anlage neuer Entwässerungsstolln, an die Erfolge ihrer Vorfahren anzuknüpfen. Das gelang jedoch nur in geringem Umfang.

1790
Wurde das Bergamt in Böhmisch-Katharinaberg geschlossen.

1809
Wurde der Bergbau in Katharinaberg eingestellt.

1826
Stellt die Heidelberger Glashütte ihren Betrieb ein.

1846 bis 1854
versuchte eine Gewerkschaft aus Bürgern, in der „Nicolai-Katharina-Frisch-Glück-Silberzeche“ neu zu schürfen.

1849
Der Bergbau wurde in Seiffen eingestellt, das Bergamt geschlossen.

1871
Bis 1871 investieren auswärtige Geldgeber in die Wiederbelebung einiger Gruben, ohne großen Erfolg.

1928
baute die damals noch eigenständige Gemeinde Heidelberg den alten Zechenteich zu einer Schwimm– und Badeanstalt um. Der Betrieb wurde 1990 eingestellt.

1937
Binge „Geyerin“ wird Naturbühne.

1949
Am „Hetzebüchel“ („Wettiner Höhe“) stieß man auf minimale Vorkommen an Uran und baute das Erz in einer Tiefe von sechs Metern ab. Im Frühjahr 1952 wurde der Betrieb eingestellt.

Um 1960
Die „Wismut AG“ bohrt in Seiffen nach Uranerzen. In der Binge „Geyerin“, unternahm man in den 1960er Jahren Probebohrungen bis zu einer Tiefe von 750 Metern. Die Prognosen für einen erfolgreichen Erzabbau fielen schlecht aus, weshalb er unterblieb.

1984
Bergbaufreunde legen den „Historischen Bergbausteig“ im Zentrum Seiffens an.

1986
Wird im Ortsteil Heidelberg bei Bauarbeiten der „Segen-Gottes-Erbstolln“ wiederentdeckt. Bergbauforscher räumen ihn frei und richten ihn als Besucherbergwerk her.

1991
Neugründung der Seiffener Bergknappschaft. Die Seiffener Berg– und Hüttenknappschaft ist mit ihrer Bergkapelle immer bei den großen Bergaufzügen zur „Seiffener Weihnacht“ dabei und wird am 3. Adventswochenende von befreundeten Knappschaften unterstützt. Das Jahr über tritt die Knappschaft auch  deutschlandweit auf, war aber auch schon im Ausland  (USA, Schweiz) unterwegs.

Seit 2001
kann die alte „Fortuna Fundgrube“ in Deutschneudorf, als „Abenteuer Bergwerk Bernsteinzimmer“ besichtigt werden.  Der „Nikolai-Stolln“ in der Stadt Hora Svaté Kateřiny ist heute der größte und bekannteste Stolln im böhmischen Teil des Erzgebirges. Das Mundloch befindet sich unterhalb der Stadt, nahe der Grenze zu Sachsen. Führungen finden am Wochenende sowie nach Vereinbarung statt.

2014
Begann ein junger Mann aus Seiffen, 165 Jahre nach Schließung des Bergamtes, eine dreijährige Ausbildung zum Berg- und Maschinenmann. Ihm eröffnen sich Arbeitsmöglichkeiten in der Sicherung des Altbergbaus und neuerdings auch im Abbau, denn das Erzgebirge erlebt derzeit, angetrieben von dem weltweit steigenden Bedarf an Rohstoffen eine Renaissance des Erzbergbaus.

2016
Beginn umfangreicher Sanierungsarbeiten im Bereich Binge „Geyerin“, dem „Johannesstolln“ und dem „Heiligen Dreifaltigkeitsstolln“ und Beginn der Erneuerung und Erweiterung des „Historischen Bergbausteigs“.

2017
Am Eingang zur Binge „Geyerin“ wird durch einen Tagesbruch ein Zeugnis des Seiffener Altbergbaus neu entdeckt. Er wird „Müller-Stolln“ genannt.

Durch einen Tagebruch am Bergmannsweg wurde ein weiterer nichtrisskundiger Grubenbau ermittelt. Im Rahmen der bergtechnischen Sanierungsarbeiten konnte ein teilweise bis zur Tagesoberfläche abgebauter Gangbereich des „Reiche Hoffnung Morgenganges“ nachgewiesen werden.

2019
Nach drei Jahren Bauzeit schließt die Schneeberger Bergsicherung ihre Arbeiten im Ort ab. Die Naturbühne kann wieder für Veranstaltungen genutzt werden. Zuvor drohte Steinschlag. Die Entwässerung des Ortszentrums ist durch die Räumung und Befestigung der beiden großen Erbstolln wieder sicher gewährleistet. Das Mundloch des im Jahre 1550 aufgefahrenen Johannesstolln wurde saniert.

2020
Der „Historische Bergbausteig Seiffen“ wird neu eingeweiht. Seiffen hat nun eine sogenannte Bergbau-App mit hinterlegten Filmen, Printmedien, historischen Bergrissen und Fotos und weiteren Informationen. Außerdem stehen Arbeitsmaterialien für die Jugendarbeit bereit. (ctb)